Heilige Huren

„Schrecklich wie die Mädels heutzutage rumrennen, die haben gar keinen Respekt vor sich selber.“ Diesen Satz habe ich erst letztens wieder von irgendeinem Typen in einer Berliner Kneipe gehört. Ich hätte fast gekotzt.
1. Weil es zum Kotzen ist 2. Weil mir so viele Worte im Hals stecken geblieben sind.
Dieser Satz spiegelt ein Denkmuster, dem man ständig über den Weg läuft, nämlich die Aufteilung von uns Frauen in „billige“ und „gute bzw. teure“ Frauen. Dieses Denken ist in weiten Teilen Normalität und steckt in extrem vielen Männer- als auch Frauenköpfen.
Dass das eine extrem patriarchale Denkweise ist, die eine ganz bestimmte Grundwahrnehmung von Frauen als Objekten und Männern als Subjekten voraussetzt, will ich hier analysieren.

Diese Art der Analyse der Geschlechterverhältnisse stammt ursprünglich von Simone de Beauvoir, die schon 1949 in ihrem Buch „das andere Geschlecht“ beschrieben hat, wie Frauen in patriarchalen Gesellschaften systematisch als „das Andere“ also als Objekte verstanden werden.
Die Begriffe Subjekt und Objekt verwende ich hier in ihren Grundlegenden Bedeutungen:
Ein Objekt ist immer das was betrachtet wird. Also von Grund auf passiv, fremd und das Andere. Mit dem Objekt wird etwas gemacht, das Subjekt hingegen macht.
Das Subjekt ist aktiv und beschreibt das Objekt, bewertet es und macht alles Mögliche mit ihm. Eigentlich wie das Subjekt und das Objekt in der Grammatik.
Da Männer im öffentlichen Leben nun mal seit Ewigkeiten und bis heute viel präsenter sind als Frauen, hat sich ein männlicher Blick als die Normalität eingestellt. Besonders anschaulich (haha) ist das Problem mit dem männlichen Blick in der Filmbrange. 85% der 580 im Bundesverband Regie (BVR) registrierten Regisseurinnen sind Männer. (aus: Wo sind eigentlich die Regisseurinnen? von Tagesspiegel.de vom 14.02.2016)
Nicht besser sieht es im internationalen Filmbusiness aus. Laut einer Studie der Annenberg School for Communication and Journalism an der Univeristy of Southern California, Los Angeles, waren nur 3,3% der RegisseurInnen Frauen, von den 1223 in der Studie berücksichtigten RegisseurInnen. Die Studie untersuchte die Geschlechterverhältnisse rund um die 100 erfolgreichsten Filme der Welt aus den Jahren von 2007 bis 2017.
Besser sieht es im aktuellen Bundestag aus, der zu 31% aus Frauen besteht, aber gleich ist das Verhältnis auch dort noch lange nicht. Interessant wäre vielleicht auch die Frage, wie viel Prozent der Putzkräfte im Bundestag eigentlich Frauen sind.
Das Muster der ungleichen Machtverteilung zieht sich durch die ganze Gesellschaft und über die ganze Welt wie ein klebriger Kaugummi. Es setzt sich in Gesetzen fest, findet Ausdruck in Mehrheitsverhältnissen von Regierungen, in Verteilungen von Professuren, in Gehaltsunterschieden. Außerdem in Gewalt und Abhängigkeit in unseren vermeintlich so individuellen Liebesbeziehungen.
Diese Dominanz der Männer nenne ich ganz klassisch Patriarchat. Das Patriarchat ist kein Hirngespinst und kein herbei theoretisiertes Etwas. Es ist eine Machtverteilung mit dem Aufhänger des Geschlechts. Wäre das Geschlecht niemals als relevanter Unterschied festgestellt worden, vielleicht hätte sich eine Machtungleichheit aufgrund von Haarlänge, Nasenform oder Fingernagellänge eingestellt? Leute mit langen Fingernägeln können besser Beeren pflücken und schlechter Speere halten, habe ich mal gehört!
Ein Hauptmerkmal des Patriarchats ist, dass die männliche Perspektive die Dominante ist. Die relevante welche die weibliche Perspektive verschluckt, in dem sie Frauen automatisch nur von Außen sieht, als Objekt. Je mehr die Frau in der Öffentlichkeit beschrieben wird, betrachtet wird und als das andere auf die Bildfläche tritt, desto weniger existiert dieser öffentliche Raum für ihre Subjekthaftigkeit und ihre eigenen Beschreibungen über sich selbst.
Die Frau als Objekt hat auch bestimmte Eigenschaften die aber wie ein Aufkleber von außen kommen und nicht aus ihr selbst entspringen. Denn wie soll das auch passieren, wenn im großen Stil über die Frau geredet wird, viel mehr als dass sie selbst redet?

Wehren wir uns gegen die Zuschreibungen, die mit dem männlichen Blick einhergehen, ist es einfach uns dafür zu beschämen. Die Dominanz der angeblichen Objektivität liegt der männlichen Abwertung dabei schon Inne. Es braucht viel Kraft um sich gegen eine dominante Realität zu wehren und die eigene dagegen zu setzen.

Ein weiterer Automatismus neben der Abwertung von Frauen die sich nicht Männergerecht verhalten, ist die Belohnung die eine Frau erhält, wenn sie sich klassisch weiblich verhält. Das heißt in vorauseilendem Gehorsam ihre Objekthaftigkeit lebt und damit automatisch einhergehend ihre Subjekthaftigkeit verschluckt. Also ihre Wünsche, Ansprüche und Bedürfnisse. Eben alles was aus ihr selbst kommt.

Worum es mir in nun geht ist zu beschreiben, wie wir als Objekte in einem Verwertungssystem begriffen werden. Wir sind in den heutigen patriarchalen Gesellschaften nicht nur Objekt, sondern sind Objekt auf einem Markt. Das ist leider nicht nur eine Abstraktion, man sieht dieses Verhältnis deutlich im Phänomen der Prostitution.
In Deutschland soll es laut hochgerechneten repräsentativen Umfragen und laut Einschätzungen der Prostituierten Organisation Hydra zwischen 200.000-400.000 Prostituierte geben, von denen circa 95% Frauen sein müssen.
Leider gibt es keine wirklich belastbaren Zahlen, da die Erhebung der Daten sehr schwierig ist. Aber was allen klar ist: Es gibt viele Prostituierte in Deutschland und die meisten sind Frauen.
Prostitution ist nicht vom Himmel gefallen sondern ist Symptom einer Schieflage von Macht. Diese Schieflage hat solch eine Universalität, dass sie eine schwer zu durchbrechende Normalität darstellt. Diese weltweite Norm der Ungleichheit zwischen Männern und Frauen zeigt sich in Indien, wo Frauen kaum allein auf die Straße gehen können und systematisch weibliche Föten abgetrieben werden. Sie zeigt sich im US-Staat Alabama oder in unserem Nachbarland Polen, wo Abtreibungen verboten sind. In Deutschland, wo der Paragraf 219a „Werbung“ für Abtreibungen verbietet. In Somalia wo annähernd alle Frauen Opfer von Genitalverstümmlung sind. In islamischen Diktaturen wie Saudi Arabien in denen Frauen wie lebende Gespenster herumlaufen müssen und aller menschlichen Würde beraubt sind. Im Iran wo Frauen der Tod durch Steinigung droht, wenn sie sich bei einer Vergewaltigung nicht ausreichend wehren. Wo Ehemänner das niedergeschriebene Recht besitzen, ihre Frau zu vergewaltigen. In der Schweiz wo bis 1971 Frauen nicht wählen durften. In Deutschland wo die Frau bis 1977 den Mann um Erlaubnis bitten musste um zu Arbeiten und wo bis 1997 Vergewaltigung in der Ehe kein Strafbestand war. Die Ungleichheit zeigt sich in der Pornoindustrie, in der Prostitution und in Kinderehen. Die Frau, die objektifiziert wird ist kein Hirngespinst von Feministinnen und auch nicht, dass Objekte gekauft werden können.
Eine solch frauenfeindliche Realität wirkt sich natürlich auch auf die Art und Weise aus, wie wir denken und unsere Umgebungen und uns selbst wahrnehmen. Daher zurück zum Thema des Slutshamings:
Im Mainstream Gerede trifft man häufig auf die Bewertungskategorie in der eine ehrenwerte Frau einer billigen Frau gegenübersteht. Meist geht es dabei im weitesten Sinne darum, wie eine Frau sich sexuell verhält.
Was hinter dieser Dichotomie steht ist die Annahme, dass in eine „gute Frau“ von männlicher Seite aus viel investiert werden muss, um sie ins Bett zu kriegen und in die „billige Frau“ wenig.
Die ewig wiederholte Erzählung der billigen Frau findet man zum Beispiel im ganzen Genre des Hip Hop: Eine billige Nutte die Schwänze lutscht und die an Wert verliert, je öfter sie benutzt wird. Als sei sie ein Ding das verbraucht wird. Ihre Abnutzung ist dann wiederum ein Beweis für ihre schlechte Qualität als Ware.
Man findet die „billige Frau“ in Filmen und Büchern und immer wieder und vor allen Dingen in unzähligen Köpfen. In Köpfen die denken und sagen:
„Schrecklich wie die Mädels heutzutage rumrennen, die haben gar keinen Respekt vor sich selber.“
Diese Aussage ist offensichtlich kein Appell dafür, dass Frauen mehr Respekt vor sich selber haben sollten. Dem ich natürlich zustimme würde, auch wenn man Ursache und Wirkung nicht verwechseln sollte.
Alle sollten mehr Respekt vor Frauen haben und der Part von uns Frauen müsste dabei sein, verinnerlichten Disrespekt zu überwinden.
Dafür brauchen wir den sturen Glauben daran, dass wir einen Wert haben, den uns niemand nehmen kann. Wir müssen radikal und unermüdlich daran glauben dass wir Würde, Wert und Stärke besitzen und dass niemand auf der Welt das Recht hat uns so zu behandeln, als sei das nicht so.
Etwas anderes bleibt uns gar nicht übrig, wenn wir ein schönes Leben haben wollen. Frauen müssen für sich selbst kämpfen und sich unermüdlich gegenseitig unterstützen, denn Männer werden es nicht tun. Frauen müssen für sich und füreinander sprechen, denn sonst wird das niemand tun. Das ist das Wesen von Selbstermächtigung und wir können es durch nichts ersetzen. Viele finden heute, das sei nicht fair und aus Solidarität sollten auch Männer sich für Frauen stark machen. Aber auf die darf man sich nicht verlassen, auf männliche Solidarität kann man sich nicht verlassen. Wenn man es könnte, dann gäbe es kein Problem. Dominanz ist nicht nett und deshalb sollten wir es auch nicht mehr sein!
Wir sollten also Respekt vor uns selbst haben und vor anderen Frauen und Mädchen. Wir sollten es zumindest unaufhörlich versuchen und zwar auf allen Ebenen. Das Ziel muss sein kontinuierlich und konsistent schwesterliche Solidarität männlicher Aufmerksamkeit vorzuziehen.
Weil wir eigene Menschen mit inhärentem menschlichem Wert sind, der es verdient hat begriffen zu werden. Von uns selbst und von unseren Schwestern, Müttern, Freundinnen.

Doch in der Aussage von diesem dummen Typen steckt natürlich nicht, dass Frauen sich bitte wertvoller fühlen sollen und sich selbst vom männlichen, wertenden Blick befreien sollen. Sondern was dieser Typ eigentlich sagen wollte ist, dass Frauen wieder mehr Respekt vor Männern haben sollten.
Dass sie nicht so rumvögeln sollen, nicht so aufreizend sein sollen und dass sie sich sexuelle Bestätigung, denn das ist anscheinend alles woraus die weibliche Sexualität besteht, bitte nicht bei so vielen unterschiedlichen Männern holen sollen. Wenn eine Frau sich das bei unterschiedlichen Männern holt ist das auch der Grund warum Männer sich von einer billigen Hure, Schlampe, Nutte, Bitch, Slut, Hoe angegriffen fühlen und sie ständig abwerten müssen. Das Objekt gehört nämlich nicht einem allein.
Die Worte, die den Prinzipien von billig und teuer folgen, kommen daher dass die „billige Frau“ sich von vielen „nehmen“ lässt was ihren Wert als Ware, also als erwerbbares Objekt senkt.
Der Wert der Ware Frau sinkt also, wenn sie viel zu Verfügung steht.

Frauen die mit vielen Männern Sex haben (wobei viel sehr relativ ist) disrespektieren den einzelnen Investor. Denn sie lassen sich nicht besitzen, jedenfalls nicht von einem einzelnen Mann.
Doch auch wenn wir als Frauen mit vielen Typen Sex haben, heißt das noch lange nicht dass wir automatisch befreit sind. Wir können ohne es zu merken immer noch im Patriarchat gefangen sein, das uns alle in seiner perfiden Gewalt einsperrt.
Denn was ist die Freiheit einer Frau, in einer Kultur die von Männern gestaltet wird? In einer Sex und Pornokultur, die von Männern gestaltet wird? Vielleicht doch die Freiheit der Männer? Die Mädchen und Frauen heute endlich ausnutzen können ganz ohne einen verächtlichen Blick der katholischen Mama zu ernten?
In einer verzweifelten Suche nach dem eigenen Wert als Subjekt können wir uns in einer Gesellschaft verlieren, die uns diesen Wert nie wirklich zugestanden hat.
Wir können anfangen die Abwertung, die eine Objektifizierung mit sich bringt, als Aufwertung zu verstehen. Als Frauen können wir unsere Leben damit verbringen nach Menschlichkeit in Männern zu suchen, die einen weiblichen Körper nicht als menschlich begreifen. Die eine Frau als tote Ware begreifen, die Subjekte mit Objekten verwechseln. Die Leben mit Tod verwechseln.
Dabei verpassen Männer das halbe Leben auf der Erde und wir Frauen verpassen das ganze, wenn wir nicht radikal unsere Menschenwürde herstellen und an ihr festhalten. (Mathe… passt!)

Doch nicht nur Frauen die verloren sind in einem Sumpf aus Objektifizierung werden von dieser Gesellschaft in die Schublade der „billigen Schlampe“ gesteckt. Sondern auch die unter uns, die bereits stark sind und wissen was sie wollen.
Diese beiden Versionen der weiblichen Sexualität sind sehr schlimm für den Standard sexistischen Mann, denn er verliert die Kontrolle über die Frau.
Der Widerspruch dabei ist: Frauen treten Männern auf den Schlips, obwohl sie immer noch abhängig sind. Aber nicht von dem einen Investor, sondern von Männern an sich. Männer die einem bestätigen, wie gut sexuell verwertbar man doch ist. Das funktioniert nur, weil in unserer männlich geprägten Welt der offensichtlichste Zugang zur weiblichen Sexualität der Umweg durch männliche Sexualisierung ist.
Es ist einfacher sich durch männliche Objektifizierung schön zu fühlen, anstatt selbst zu fühlen. Es ist psychisch einfacher gesehen zu werden anstatt selbst zu sehen. Projiziert zu werden anstatt da zu sein.

Auf der anderen Seite gibt es nun wie gesagt die als billig verurteilte Frau, die bereits starkes Subjekt ist. Sie tritt dem Standard sexistischen Mann mit ihrem Verhalten doppelt auf die Füße.
Sie ist in sexistischen Augen immer noch billig und eine Schlampe, denn keiner versteht was wirklich vor sich geht: Sie bewertet Männer nach ihrem weiblichen Blick, setzt klare Ansprüche und lebt in Freiheit.
Doch in einer Normalität von Frauen als Objekten, die erstanden werden müssen und dann den Käufer schmücken wie ein Auto oder eine Uhr, ist das nicht angemessen kategorisierbar. Also wird auch diese Frau automatisch zu einer Schlampe, einer Hure. Einer Dorfmatratze. (Lustigste Version!)
Also das Subjektsein der starken Frau wird nicht als solches erkannt. Vielmehr wird das Subjekt Frau in eine Kategorie gestopft, die Frauen nur als Objekte kennt. Diese Kategorie entspringt dem männlichen Blick, der schon so lange der dominante ist.
Nun will ich noch kurz das scheinbare Gegenstück zur „billigen Frau“ darstellen: Die teure, heilige, reine, gute Frau. Innerhalb dieses Denksystems das sie verinnerlicht hat und mitbetreibt, ist sie ein passives Objekt und hat ihren Objektstatus internalisiert. Sie verschluckt ihre Subjekthaftigkeit und unterdrückt sich selbst.
Das ist natürlich nichts als eine Form des psychischen Überlebens in einer Welt voll männlicher Bewertungen. Es ist eine individuell sehr verständliche Art von Anpassung und Weiblichkeit. Eine verständliche Art von Tragik.
Eine Frau die diesen Weg geht, tritt den Sexisten leider nicht mal ein bisschen auf die Füße. Denn sie hat sich trotz ihrer Passivität etwas bewahrt, das sie zu einer potentiell treuen und gleichzeitig wertvollen Ware macht.
Sie hat sich das „Nein“ als Instrument bewahrt. Damit kann sie sehr effektiv ihren Wert steigern, denn wenn sie schwer zu haben ist, muss der Mann viel in sie investieren. Sie ist somit teurer und nach kapitalistischer Logik deshalb auch wieder mehr wert.
Es gibt viel Nachfrage, doch die heilige, gute Frau gibt sich nicht so leicht her. Das Angebot ist also klein und die Nachfrage groß. Je konsequenter ein Mädchen oder eine Frau das durchzieht, desto reiner ist sie und kann sich an einer Illusion von Kontrolle benebeln. (Ich spreche aus Erfahrung!)
Doch diese Art der Entscheidungen bleiben zwanghaft, wie in einem Korsett und erfüllen nur den Zweck den eigenen „Preis“ zu steigern.
Dadurch steigen wir nicht aus dem System aus, das uns überhaupt erst als Ware wahrnimmt. Sondern wir leben es und unterstützen es.
Durch dieses halbbewusste Spiel aus Investition und Wertsteigerung zwischen Männern und Frauen stammt wohl auch das gefährliche männliche Denken von: „Nein heißt ich muss mehr investieren, Nein heißt nur noch nicht ja.“
Eine weitere Handlungsoption neben dem „Nein“ die Mädchen und Frauen in dieser von vorneherein misslichen Lage haben ist die, dass wir Konkurrentinnen abwerten können. Andere Frauen seien billig, wir hingegen seien „nicht so eine“. Die „heilige Frau“ wird also auch noch zur aktiven Komplizin in dieser Unterdrückung der weiblichen Sexualität.
Das perfide an diesem ganzen Konzept ist, ist dass es ursprünglich das Denken von patriarchalen Männern ist.
Die Kategorien der heiligen oder auch der billigen Frau sind natürlich absolut unreal.
Daher ist der Übergang zwischen einer „guten, heiligen, teuren“ Frau und einer „billigen“ Frau auch absolut willkürlich. Die Grenzen werden im Endeffekt von den dominanten Männern im Leben der Frauen gezogen. Ob es Freunde, Brüder, Väter oder Bekannte sind. Oder von den dominanten Frauen, die es für die verinnerlichten Männer tun.
Das ganze Spiel aus Wertsteigerung und Entwertung ist nichts als ein degradierender Marktplatz der in unseren Köpfen stattfindet. Dieser Marktplatz macht Frauen untereinander zu Feindinnen.
Aber vielleicht gibt es doch eine Frau, die diesen ganzen Wettbewerb tatsächlich gewonnen hat. Die man als absolut wertvoll bezeichnen kann! Die ewige Jungfrau, die heilige Mutter Gottes, die unbeschmutzte und einzigartig unbefleckte Mutter Maria! Moralisch einwandfrei empfing sie sogar einen Sohn und gebar diesen heiligsten Heiland der Welt, der wohl am wenigsten Hurensohn von allen Männern war, die jemals existierten.
Aber noch mal Klartext: Ob nach zwei Stunden oder 2 Jahren, nichts von beidem ist heiliger oder ehrenwerter als das andere! Nichts ist billiger oder teurer, denn diese Kategorien sind an sich falsch, weil Menschen keine Waren sind, weil Frauen keine Objekte sind.
Eine Frau kann nicht billig sein und sie kann nicht teuer sein, denn das sind die Beschreibungen für kaufbare Objekte. Sie beschreiben ein Subjekt, eine Frau niemals in Wirklichkeit. Im Kern kann sie sich immer nur selbst beschreiben, sich selbst definieren, ihr Leben gestalten und dadurch hoffentlich das werden, was sie ist.
Etwas neues, etwas eigenes. Eine kollektive Überraschung, die wir noch nicht kennen! Jedenfalls noch nicht in wirklicher Freiheit.


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